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Aktuelle Ausgabe

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

so vielfältig wie die einzelnen Therapie­methoden der Alternativmedizin sind auch die Diagnosemöglichkeiten. Sehr häufig sind sie sogar eng miteinander verknüpft. In der vorliegenden Ausgabe stellen wir wieder einige von ihnen vor.

Ein großer Bereich ist die traditionelle fernöstliche Medizin, die wir aus China, Korea und ­Japan kennen. Allein in der ­japanischen Akupunktur haben sich verschiedene Varianten ­entwickelt: In der Meridiantherapie ermöglicht beispielsweise die Palpation von Meridianen, Bauch­decke und Puls systematisch die Erstellung einer Diagnose, während bei der Akupunktur nach Dr. Manaka die Bauchdiagnose ein deutlich komplexeres Verfahren ist (s. S. Ritter S. 10).

Vielfach werden neben speziellen Behandlungstechniken, wie sie Akupunktur, manuelle Therapie, Osteopathie u. v. m. darstellen, zunehmend technische Geräte zur Diagnose und Therapie eingesetzt. Ein bekanntes Beispiel ist die Bioresonanzmethode. Ihre Begründer gehen davon aus, dass jeder Körper ein komplexes System aus Schwingungen ist. Sind diese gestört, können Krankheiten entstehen. Mithilfe von Resonanzsystemen können die Störungen ermittelt und Abhilfe geschaffen werden. (s. T. Bücking S. 17).

Eine weitere Diagnosetechnik, die zunehmend in den Heilpraktikerpraxen anzutreffen ist, ist die Herzratenvariabilität (HRV). Aus den Daten einer HRV-Messung kann der Zustand des autonomen Nervensystems beurteilt werden, besonders das Verhältnis vom Sympathikus zum Parasympathikus, und der damit verbundene Stresspegel wird ersichtlich. Ein dreistufiger Messablauf gibt Hinweise auf aktuelle Belastungen und vorhandene pathologische Prozesse eines Menschen, die dann entsprechend, zum Beispiel durch Entgiftung bei einer Schwermetallbelastung, behandelt werden können (s. S. Ackermann S. 19).

Ein recht einfaches, aber effektives technisches Hilfsmittel zur Diagnostik ist quasi in jeder Praxis anzutreffen: das Blutdruckmessgerät. 1896 stellte der italienische Arzt Scipione Riva-Rocci erstmals ein einfach anzuwendendes Verfahren zur indirekten und damit »unblutigen« Blutdruckbestimmung vor. Der mit Manschette am Oberarm und Tasten des Pulses gemessene Blutdruck wird heute noch mit »RR« (Riva-Rocci) abgekürzt. Das Verfahren entwickelte sich rasch zur Standardtechnik in der medizinischen Diagnostik und erleichterte die Behandlung der Hyper­tonie ungemein.

Die arterielle Hypertonie weist meist nur ­unspezifische Symptome auf. Wichtig ist dennoch eine regelmäßige Blutdrucküberwachung und gegebenenfalls Behandlung, um ernsthafte Folgeschäden wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu vermeiden. Im Selbstversuch hat Christian Reichard die Wirkung von Cannabidiol-Öl, das im Gegensatz zu den THC-haltigen Hanf-Produkten als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich ist, auf einen erhöhten Blutdruck getestet (s. S. 33). Denn der Hanf (Cannabis sativa) bietet weitaus mehr als das »kurze Glück des Drogenrauschs«. Seit sich in vielen Ländern, die Bestimmungen für den medizinischen Einsatz von Cannabis* geändert haben, wird dem auch zunehmend (wieder) Beachtung geschenkt.

Seit tausenden von Jahren wird der Hanf von vielen Kulturen genutzt. Er lieferte nicht nur nahrhafte Samen, auch die Stängel mit ihren besonders langen stabilen Fasern wusste man schon früh zu schätzen. Hanf war jahrhundertelang einer der wichtigsten Rohstoffe für die ­Papierproduktion. Gutenberg druckte 1455 ­seine berühmte Bibel auf Hanfpapier. Kleidung aus Hanfgewebe wird schon von Herodot († ca. 430 v. Chr.) beschrieben. Plinius der Ältere († 79 n. Chr.) erwähnt Hanf erstmals als Schmerzmittel. Im 8. bis 11. Jahrhundert wendeten orientalische Ärzte den Saft der Hanfblätter bei Hautkrankheiten an. Den Einzug in die moderne Medizin erhielt die Heilpflanze durch einen 1839 veröffentlichten Bericht des irischen Arztes William Brooke O’Shaughnessy über die schmerzstillende, krampflösende und muskel­entspannende Wirkung nach Anwendung von Cannabis, die er während seiner Tätigkeit in ­Indien beobachtet hatte.

Zur Nutzung des Hanfs als Arznei- und Drogenpflanze werden übrigens nur blühende weibliche Pflanzen verwendet (s. Titelbild), Hanfsamen und Hanföl stammen von fruchttragenden weiblichen Pflanzen. Zur Fasergwinnung dienen die vegetativen, nicht blühenden Sprossen.

Viel Freude beim Lesen wünscht ­Ihnen
Dr. Susanne Dell, Chefredakteurin

* 1925 wurde Cannabis durch die Zweite internationale Opiumkonferenz d. Völkerbunds weltweit verboten.

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